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Bericht Integrationslotsenausbildung, Magdeburg, 02. – 03. Juni 2018

Selbstfürsorge im Ehrenamt, Umgang mit Konflikten, Kommunikation, Mediation und Zivilcourage im Alltag – um sich mit diesen Themen näher auseinanderzusetzen, kamen die TeilnehmerInnen, ReferentInnen und OrganisatorInnen der Integrationslotsenausbildung am 02. und 03. Juni 2018 in Magdeburg zusammen. Anknüpfend an das Wochenende in Zeitz vom 28. – 29. April 2018 setzten die angehenden IntegrationslotsInnen die Qualifizierungsmaßnahme in einem zweiten Teil fort. 

In dem ersten Workshop des Wochenendes stellte Mamad Mohamad, LAMSA e.V., die Wichtigkeit der Selbstfürsorge in der ehrenamtlichen Tätigkeit in den Vordergrund, wobei das Hauptaugenmerk auf der Arbeit in einem (Sport-)Verein lag. Er selbst war bereits in verschiedenen Organisationen haupt- und ehrenamtlich tätig und beschrieb seine Überzeugung für das Thema Ehrenamt. Zu Beginn leitete Mamad Mohamad die Diskussion mit einer Vorstellungsrunde ein. Die Anwesenden berichteten von der Herkunft ihres Namens sowie Erfahrungen damit und lernten sich so kennen. Ziel der Vorstellungsrunde war es, auf der einen Seite eine angenehme, vertraute Atmosphäre zu schaffen und auf der anderen Seite den Fokus auf die interkulturelle Akzeptanz und Wertschätzung zu legen. Zunächst präsentierte der Referent die Definition von Selbstfürsorge, als die Fähigkeit mit sich gut umzugehen und Belastungen richtig einzuschätzen. Er führte näher aus, dass Körper, Geist und Seele wichtige, dabei zu berücksichtigende Elemente seien. Nachdem sich die TeilnehmerInnen über Herausforderungen und Belastungen des Ehrenamts ausgetauscht hatten, gab Mamad Mohamad ihnen konkrete Handlungsempfehlungen für das Aufgabenmanagement mit auf den Weg: In dem man sich aufschreibt, wie viel Zeit Beruf, Familie, Hobbies und Freizeit einnehmen, wird bewusst, welchen Stellenwert das Ehrenamt im Alltag hat. Mamad Mohamad betonte dabei, dass ein Ehrenamt kein Hobby sei. Im Ehrenamt in Organisationen oder (Sport-)Vereinen herrscht oft ein Mangel an zeitlichen und personellen Ressourcen, was zu Überlastung führen kann. Die TeilnehmerInnen wurden dazu angeregt zu überlegen, wie Tätigkeiten im Team verteilt und Aufgaben delegiert werden können. Dadurch wird das Team miteinbezogen und der/die angehende IntegrationslotsIn entlastet. Des Weiteren empfahl er, sich Zeit für sich selbst zu nehmen und diese konkret im Kalender zu vermerken. 

Ein weiterer Bestandteil der Ausbildung war ein Workshop zum Thema „Umgang mit Konflikten – Kommunikationstraining“, geleitet von Harald Berndt, Konfliktmanager, Mediator und Demokratietrainer. In mehreren Einheiten brachte er den TeilnehmerInnen das Erkennen, Analysieren und Lösen von Konflikten nahe. Zunächst las er eine Geschichte über eine möglicherweise konfliktäre Sitution vor und bat die Anwesenden, sich auf einer am Boden angebrachten Markierung geografisch zu einer positiven, neutralen oder negativen Bewertung eines möglichen Konflikts zu positionieren. Hierdurch wurde klar, dass ein Konflikt, je nach Perspektive, unterschiedlich definiert und evaluiert werden kann.  Durch eine Kombination aus theoretischen und interaktiven Elementen wurde den TeilnehmerInnen dargelegt, welche Rolle Bedürfnisse und Werte in der Kommunikation spielen. In einer spielerischen Aktivität wurden die angehenden IntegrationslotsInnen aufgefordert, ihr Traumhaus zu zeichnen und wurden dann mit der Tatsache konfrontiert, dass aufgrund von Baubegrenzungen gemeinsam neue Pläne aufgestellt werden müssen. Es zeigte sich, dass Konflikte ressourcen- und konsensorientiert gelöst werden können – auch im Falle von sozialen, kulturellen, sprachlichen und sportlichen Unterschieden. Sollten Vereine und Trainer mit dieser Herangehensweise nicht zum Ziel kommen, riet Harald Berndt, sich externe Hilfe zu suchen und eine Mediation zu initiieren.

Ein weiterer bereichernder Teil der Qualifizierungsmaßnahme war die Nachmittagsveranstaltung zum Thema „Aktiv gegen Rechts. Zivilcourage im Alltag“, bei der Markus Nierth, Theologe und ehemaliger Bürgermeister von Tröglitz, zum Gespräch eingeladen wurde. Der evangelische Pfarrer setzte sich als Bürgermeister in seiner Gemeinde für die Rechte von Geflüchteten ein und wurde dafür von Rechtspopulisten stark kritisiert und von rechtsradikalen Extremisten sogar bedroht. Er trat von seinem Amt zurück – nicht aus der Angst vor den rechten Kräften, wie er erklärte, sondern aufgrund eines Mangels an Unterstützung in seiner Gemeinde. Anstatt sich zurückzuziehen, wandte er sich an die Öffentlichkeit und bezog Position gegen Hasskriminalität und rechtsradikalen Extremismus. Heute engagiert er sich für Menschen, die Zivilcourage zeigen und sich gegen Extremismus in jeglicher Form einsetzen. Er gab den angehenden IntegrationslotsInnen mit auf den Weg, sich gegen rechtsradikale Kräfte zu stellen, die Zusammenschlüsse von demokratischen Kräften zu stärken und in Fällen von Konflikten ganz klare Position zu beziehen und sich bei Bedrohungen durch Fremdenfeindlichkeit rechtzeitig zu wehren. In persönlichen Gesprächen riet er den TeilnehmerInnen dem Gegenüber mit Wertschätzungen zu begegnen und Vertrauen aufzubauen. 

Abschließend überreichten Johanna Kasper, Vorstandsmitglied des Ju-Jitsu Verbandes Sachsen-Anhalt e.V., Verena Böhnisch, Kurdistan Kultur- und Hilfsverein e.V., und Projektleiter Sebastian Rösner, Deutsche Gesellschaft e.V., den TeilnehmerInnen ihre Urkunden. Insgesamt bewerteten die Anwesenden das Wochenende als sehr lehrreich und interessant und durch den interaktiven Charakter der Workshops wurden sie zum Nachdenken und zur Selbstreflektion angeregt. 

 

3. Juni 2018
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